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Brandschutzgehäuse als Alternative zu elektrischen Betriebsräumen

Bisher wurde der Funktionserhalt und die räumliche Abtrennung sicherheitsrelevanter Anlagen auf zwei unterschiedlichen Wegen sichergestellt: Zum einen, indem man sie in elektrischen Betriebsräumen, sprich Räumen, die für keinen anderen Zweck genutzt werden, einbaut oder zum anderen, diese alternativ mit Brandschutzplatten umkoffert.


In verschiedenen internationalen Arbeitskreisen, unter anderem den Arbeitsgruppen des IEC 60364-5-56, wurde bereits intensiv darüber diskutiert, wie und in welcher Form der Funktionserhalt sicherheitsrelevanter Anlagen gewährleistet werden kann. Aktuelle Urteile und neue technische Erkenntnisse aus Deutschland zeigen, dass zur Sicherstellung des Funktionserhalts in eigenen Räumen Wechselwirkungen mit anderen Anlagen, Einrichtungen oder Teilen ausgeschlossen werden müssen, was bedeutet, dass in diesem elektrischen Betriebsraum keine anderen Komponenten angeordnet sind. Des Weiteren ist eine Raumgröße bzw. ein Mindestvolumen von 15 m3 empfohlen. Diese gewährleistet, dass sich das innenliegende Luftvolumen auch bei einem Brand außerhalb des Raumes nur so langsam erwärmt, dass die eingebaute technische Anlage über die notwendige Dauer des Funktionserhaltes funktioniert. Eine Reduzierung dieses Raumvolumens kann zu einer rascheren Erwärmung und somit zu einem schnelleren Ausfall der sicherheitsrelevanten Anlage führen, was meist auf die Leckrate und den Wärmeeintrag über die Türen und Türspalte zurückzuführen ist. Dieses Mindestvolumen von 15 m3 ist in den jetzigen Entwürfen der IEC aufgenommen worden und wird bereits in vielen anderen Ländern als Richtwert für die Sicherstellung des Funktionserhaltes angesehen.

Aufgrund des hohen Kostendrucks sind vorgefertigte Brandschutzgehäuse eine willkommene Alternative am Bau. In aufwendigen Versuchen wird sichergestellt, dass geringe Temperatur- und Feuchtigkeitsentwerte in diesen „miniaturisierten Räumen“ herrschen. Es werden in den Brandprüfungen der Systeme auch Wechselwirkungen berücksichtigt. Zum Beispiel Kabeldurchführungen die den der Funktionserhalt der Kabel sichern, ebenso wie die Lüftung diese darf  nicht zum Ausfall der eingebauten Anlage führen.

Modulares Bauen und die Möglichkeit damit Kosten zu reduzieren, wird besonders durch europäische Vorgaben im Bereich „Building Information Modelling“ (BIM) immer wichtiger und fordert von den Kunden immer flexiblere Lösungen, um Zeit und Raum zu sparen. Besonders die Platzersparnis gegenüber elektrischen Betriebsräumen wird immer mehr zum Vorteil von Brandschutzgehäusen, da diese bei minimalem Platz- und Kostenaufwand sicherstellen, dass jede Anlage partiell geschützt ist. Bei immer mehr Projekten, wie z. B. dem Flughafen Wien, wird dieses Konzept bereits erfolgreich genutzt. Von der Lüftung bis hin zur Kabeleinführung kann das Brandschutzgehäuse exakt auf die Anlage abstimmt werden und somit mit kleinstem Platz- und Kostenaufwand ein Maximum an Sicherheit schaffen.

Der durch die Einsparung von elektrischen Betriebsräumen entstandene Raum kann anderweitig als Nutzfläche verwendet werden und wird besonders bei steigenden Preis pro m² [b1] in einem Gebäude zum Vorteil. Es ist leider immer noch weit verbreitet, elektrische Sicherheitsverteiler mit Brandschutzplatten auf der Baustelle zu umkleiden. Diese Lösung basiert jedoch auf Anwendungen für Kabel oder Lüftungskanäle und es wird lediglich abgeleitet, dass damit auch der Funktionserhalt für die eingebaute elektrische Anlage sichergestellt werden könnte. Dieser Grundansatz ist aber irreführend, denn die elektrische Leitung ist nicht nur allein in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit unempfindlicher als der elektrische Verteiler.

Interne Versuche haben gezeigt, dass dies stark von den elektrischen Einbauten abhängig ist - und hier besonders von den Batterien, die nahezu in jeder Anlage verbaut sind abhängt -, ob der Funktionserhalt der eingebauten Anlage sichergestellt werden kann, denn spätestens bei Temperaturen über 70 °C kann es zu ersten Ausfallerscheinungen Störungen in den Bauteilen kommen. Versuche mit Kabelkanälen aus Brandschutzplatten weisen Vor- und Nachteile auf. Die Feuchtigkeit bzw. das kristallin gebundene Wasser in den Platten bildet eine Art Dampfbarriere im Kabelkanal und befeuchtet somit die Kabel. Was also vor einer direkten Beflammung schützt, kann für eine elektrische Anlage ein Ausfallkriterium darstellen.

Im Gegensatz zum Kabel verfügen elektrische Verteiler mit eingebauten Elektronischen Bauteilen über keinerlei Schutzummantelung weshalb Kurzschlüsse und Anlagenausfälle bei Verteiler mit elektronischen Bauteilen nicht zu vermeiden sind. Zusammengefasst wird eine Umkofferung aus Brandschutzplatten primär nicht als Lösung für sicherheitsrelevante Anlagen mit elektronischen Bauteilen auf der Baustelle angesehen.

In Österreich wird die Zulassung von Brandschutzgehäusen entweder über eine Expertise einer Prüfstelle oder über Nachweise und Zulassungen anderer Europäischer Staaten auf der Basis der  Verordnung (EG) Nr. 764 anerkannt. Gerne bieten wir Ihnen die Möglichkeit, in Schulungen mögliche Lösungen und Aktuelles aus dem Bereich der Normung zu erfahren. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich und für weitere Fragen sowie Lösungsvorschlage für Ihr Projekt an uns unter www.celsiongmbh.at